Reserven in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP)

1 Reserven in der OKP

Die Versicherer müssen zur Sicherstellung der Solvenz im Bereich der sozialen Krankenversicherung ausreichende Reserven bilden. Diese garantieren die langfristige Zahlungsfähigkeit der Krankenversicherer. Ein allfälliger Verlust der Krankenversicherer wird über die Reserven finanziert, während ein allfälliger Gewinn in die Reserven fliesst. Es fliesst also kein Geld aus dem System. Seit 2012 wird die Mindesthöhe der Reserven mit dem KVG-Solvenztest bestimmt. Die Mindesthöhe der Reserven und die Höhe der vorhandenen Reserven werden für das gesamte Tätigkeitsgebiet und das gesamte KVG-Geschäft des Krankenversicherers ermittelt. Mit dem KVG-Solvenztest wird die Mindesthöhe der Reserven unter Berücksichtigung der versichererspezifischen Risiken berechnet und die vorhandenen Reserven mittels marktnaher Bewertung der Bilanz bestimmt. Die Solvenzquote berechnet sich als Quotient der vorhandenen Reserven und der Mindesthöhe der Reserven.

2 KVG-Solvenztest

Eine Solvenzquote von 100% bedeutet, dass die vorhandenen Reserven die Mindestanforderungen des BAG gerade erfüllen. Mit einer Solvenzquote von 100% kann der Krankenversicherer auch nach Eintritt eines sehr schlechten Jahres noch allen Verpflichtungen nachkommen, also die Leistungen der Versicherten bezahlen. Damit sind die Interessen der Versicherten geschützt. Für den Krankenversicherer bedeutet dies aber, dass er in einem solchen Fall seine finanziellen Mittel unter Umständen aufgebraucht hat und Insolvenz anmelden muss. Deshalb ist es für den Krankenversicherer notwendig, eine Solvenzquote von deutlich über 100% aufzuweisen, um sein langfristiges Überleben zu sichern.

Das BAG prüft die eingereichten Solvenztests und publiziert die definitiv vorhandenen Reserven, Mindesthöhen der Reserven und Solvenzquoten jeweils im September des Berichtsjahres.

3 Reserveentwicklung über die Zeit

Sind die Reserven eines Krankenversicherers zu tief oder sehr hoch, haben die Krankenversicherer folgende Möglichkeiten, ihre Reservehöhe aktiv zu verändern:

Reserven aufbauen

Sind die Reserven eines Krankenversicherers zu tief, erfolgt ein Reserveaufbau in der Regel über die Prämien. Dabei tragen die Versicherten aller Kantone gleichmässig zum Wiederaufbau bei. Der Reserveaufbau kann über mehrere Jahre erfolgen, damit die Belastung der Versicherten auf mehrere Jahre verteilt wird und nicht zu gross ist.

Reserven senken/abschmelzen

Falls ein Versicherer ausreichend Reserven hat, kann er die Prämien des nächsten Jahres etwas knapper kalkulieren, was zu einer Abnahme der Reserven führen kann. Bei übermässigen Reserven kann der Versicherer freiwillig Reserven abbauen. Es besteht keine Pflicht zum Abbau.

Entwicklung der Solvenzquote

Die Solvenzquote ist im zeitlichen Verlauf keineswegs stabil, da die Reserven sehr volatil sein können. In der Grafik unten ein Beispiel: Die Solvenzquote nimmt auf 2015 stark ab (von 366% im 2014 auf 154% im 2015). Dies, nachdem der Versichertenbestand auf 2015 stark gewachsen ist und ein schlechteres Ergebnis erwartet wird, was zu einer starken Zunahme der Mindesthöhe der Reserven von 226 Millionen Franken im 2014 auf 492 Millionen Franken im 2015 führte. Zugleich nahmen die vorhandenen Reserven aufgrund eines Verlusts im 2014 auf 2015 etwas ab.

Entwicklung der Solvenzquote von 2013 bis 2019

Im Allgemeinen zeigen die Zeitreihen der Solvenzquoten der Versicherer, dass die Veränderungen von einem Jahr aufs nächste relativ gross sind (siehe Tabelle). Änderungen in der Solvenzquote können aufgrund veränderter Mindesthöhe der Reserven oder veränderter vorhandener Reserven zustande kommen.

Stabile Solvenz 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Anzahl Versicherer 8 13 5 6 8 5
Durchschnitt 0 % 1 % 0 % -2 % 2 % 1 %
Standardabweichung 2 % 2 % 4 % 3 % 2 % 2 %
Steigende Solvenz 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Anzahl Versicherer 21 26 14 29 37 40
Durchschnitt 55 % 30 % 34 % 35 % 44 % 63 %
Standardabweichung 52 % 24 % 39 % 31 % 32 % 48 %
Sinkende Solvenz 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Anzahl Versicherer 37 24 41 19 11 12
Durchschnitt -51 % -67 % -46 % -46 % -52 % -39 %
Standardabweichung 60 % 126 % 39 % 46 % 35 % 43 %

Anzahl Versicherer, durchschnittliche Änderung und Standardabweichung in Prozentpunkten der Solvenzquoten vom Vorjahr aufs Berichtsjahr nach Solvenzentwicklung. Stabile Solvenz zeigen Versicherer, die eine maximale Änderung von 5 Prozentpunkten nach oben oder unten aufweisen. Versicherer die per 1.1. des Berichtsjahres fusioniert sind, wurden von der Auswertung im entsprechenden Jahr ausgenommen.

Hotline

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