Mittlere Prämie: Kennzahl für die Entwicklung der Prämien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung

In der sozialen Krankenversicherung zahlt jeder Versicherte eine Prämie, die von verschiedenen Kriterien abhängt wie

  • Alter
  • Wohnort
  • gewählte Franchise
  • ggf. Wahl eines Modells mit eingeschränkter Wahl des Leistungserbringers
  • Ein- oder Ausschluss der Unfalldeckung

Durch die Vielzahl der möglichen Kombinationen dieser Kriterien ergeben sich etwa 250'000 verschiedene Prämien. Das BAG errechnet verschiedene Durchschnitte, um diese Vielfalt überschaubar zu machen und Fragen zur Prämienentwicklung beantworten zu können, wie zum Beispiel:

  • Wie hat sich die Prämienhöhe in der Schweiz über die letzten zehn Jahre entwickelt?
  • Wie hoch ist die durchschnittliche Prämie für Kinder in einem bestimmten Kanton?
  • Wie hat sich die Prämie für junge Erwachsene im Vergleich zum Vorjahr verändert?

Standardprämie

Bisher verwendete das BAG für Durchschnittsberechnungen weitgehend die sogenannte Standardprämie, das heisst den Preis für die obligatorische Krankenpflegeversicherung einer erwachsenen Person mit 300 Franken Franchise, mit Unfalldeckung und ohne Einschränkung der Leistungserbringer.

Änderung der Kennzahl der Prämienentwicklung

Die Standardprämie ist heute nicht mehr repräsentativ, denn über 80% der Versicherten wählen heute eine höhere Franchise, ein Modell mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer oder eine Kombination der beiden. Im Jahr 2008 waren es noch 61 %, die eine höhere Franchise oder ein anderes Modell gewählt haben.

Zudem führt die Anpassung des Risikoausgleichs ab 2019 zu höheren Prämienunterschieden zwischen jungen Erwachsenen und Erwachsenen. Infolge des Parlamentsentscheids, den Risikoausgleich für junge Erwachsene zwischen 19 und 26 Jahren um 50 Prozent zu senken, haben die Kassen künftig den Anreiz, den Jungen tiefere Prämien zu gewähren, wie es das Gesetz zulässt. Diese Entlastung wird jedoch durch eine Erhöhung des Risikoausgleichs bei den Erwachsenen über 26 Jahren finanziert, die dadurch höhere Prämien zahlen müssen.

Die Standardprämie als Kennzahl, die sich nur auf Erwachsene bezieht, würde also ausser der Erhöhung der Kosten auch die Erhöhung durch die Entlastung der jungen Erwachsenen widerspiegeln. Um aber die Prämienerhöhung über die ganze Bevölkerung darzustellen, muss über die Altersgruppen gemittelt werden.

Die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Prämien, nämlich die Kostenentwicklung und das Verhalten der Versicherten im Rahmen ihrer Wahlfreiheit, sollten in der neuen Kennzahl ihren Niederschlag finden.

Mittlere Prämie

Neu berechnet das BAG deshalb als Kennzahl den gewichteten Durchschnitt über alle (ca.) 250'000 Prämien. Dazu verwendet das BAG die von den Versicherern geschätzte Verteilung aller Krankenversicherten auf die verschiedenen Prämien. Diese Kennzahl wird mittlere Prämie genannt. Sie entspricht der durchschnittlichen Prämienbelastung pro Person und reflektiert daher die Prämienwirklichkeit der Versicherten und somit auch die Höhe der Kosten zulasten der sozialen Krankenversicherung. Diese mittlere Prämie kann auch für verschiedene Untergruppen berechnet werden, zum Beispiel für eine bestimmte Region oder einen bestimmten Versicherer.

Für die Berechnung der Ergänzungsleistungen bleibt die Standardprämie massgebend.

Vergleich Standardprämie – mittlere Prämie

Die mittlere Prämie für die Schweiz beträgt im Jahr 2019 315.20 Franken pro Monat, während die durchschnittliche Standardprämie der Erwachsenen für die Schweiz 477.90 Franken pro Monat beträgt.

Die mittlere Prämie ist aus den folgenden Gründen niedriger als die durchschnittliche Standardprämie:

  • Kinder und junge Erwachsene bezahlen weniger als Erwachsene und sind in der mittleren Prämie enthalten, während sich die Standardprämie nur auf Erwachsene bezieht.
  • Versicherungen mit Wahlfranchise sowie mit eingeschränkter Wahl des Leistungserbringers sind preiswerter und werden bei der mittleren Prämie berücksichtigt.
  • Der Prämienanteil für die Unfalldeckung wird bei der mittleren Prämie nur für diejenigen eingerechnet, die die Unfalldeckung einschliessen.
  • Tabellarische Übersicht der durchschnittlichen Prämien in CHF

    Altersklasse Mittlere Prämie Standardprämie
    Alle Altersklassen 315.20 nicht berechnet
    Kinder 100.90 113.70
    Junge Erwachsene 274.10 374.10
    Erwachsene 372.30 477.90

    Die ca. 250'000 Prämien für jede individuelle Situation können mit Hilfe des Prämienrechners abgerufen werden: www.priminfo.ch

Hotline

Brauchen Sie eine Übersicht der Prämien in der Grundversi­cherung in gedruckter Form (pro Kanton)?

Rufen Sie die Telefonnummer 058 464 88 01 (bis Ende Dezember, zu Bürozeiten) an oder bestellen Sie diese schriftlich via E-Mail.